Sonntag 24. Juni 2018

Inhalt:

Männlichkeit, Väterlichkeit und Fürsorge

Einen spannenden Vortragsabend zur Bedeutung von Männern in Familie, Kindergarten und Schule erlebten die Teilnehmer am 6. März 2018 im Rahmen der Väter-Aktions-Tage. Prof. Dr. Josef Christian Aigner, Psychologe, Psychoanalytiker und Professor für Psychoanlytische Pädagogik an der Uni Innsbruck, sprach im Maximilianhaus (Attnang) über Männlichkeit, Väterlichkeit und Fürsorge.

 

 

Zu Beginn seines Vortrags erinnerte Aigner an die Wurzeln der vaterlosen Gesellschaft, die gerade in diesen Tagen wieder allgemein in Erinnerung gebracht werden. Die vernichtenden Weltkriege des 20. Jahrhunderts hinterließen in den Familien die Erfahrungen des Verlustes von Millionen Toten. Alleine aus Deutschland gab es nach dem Zweiten Weltkrieg 21 Millionen deutsche Kriegsgefangene, die in 80 Ländern der Welt zerstreut waren. Diese Generation bildete dann als Heimkehrer die Väter und Großvätergeneration der heutige Väter. Ihre Traumatisierungen sind tief in unser kollektives Gedächtnis eingeschrieben.

 

Vatersehnsucht

 

Heute begegnet uns eine breite Vaterverlassenheit und Sehnsucht. Das Bedürfnis nach Halt und Geborgenheit, Gesehen-Werden und Anerkennung durch den Vater kennzeichnet die heranwachsende Generation. Wenn Väter ihrer Verantwortung nicht nachkommen und Kinder vaterlos aufwachsen, steigt das Risiko, dass Kinder in ihrer Beziehungsfähigkeit und Resilienz geschwächt sind.

 

Für die Frühkindliche Forschung ist es unumstritten, dass Väter von Geburt an eine zentrale Rolle für die Entwicklung der Kinder spielen. Sie sind die „bedeutsame andere Figur“ anhand derer das Kind in der Triagulierung lernt, Beziehungen außerhalb der Verbindung (Dyade) zur Mutter aufzubauen.

 

Die Neurowissenschaft hat eindrucksvoll festgestellt, dass Männer für Kinder (bis auf das Stillen) die selbe Fürsorge, emotionale und körperliche Nähe bieten können wie Mütter. Sie reagieren in der Interaktion mit den Kindern mit ganz ähnlichen neuropsychologischen und hormonellen Reaktionen wie Frauen. Es gibt also biologisch keinen hinreichenden Grund zu behaupten, dass Männer erst ab einem späteren Zeitpunkt als Vater dazu kommen.

 

Kindliche Entwicklung profitiert von beiden Geschlechtern

 

Darüber hinaus sind Männer und Väter für die Entwicklung von Kindern wichtig, weil ihr Umgang mit Kindern sich von dem der Frauen unterscheidet. Das Spielverhalten, die Erkundungsanregung an die Kinder, das raumgreifendere und temporeichere Spiel der Männer ist eine wohltuende Ergänzung zum Spielverhalten der Frauen.

 

Gerade für die Söhne ist die Auseinandersetzung mit dem Vater wichtig. In Anlehnung und Abstoßung sowie im Kopieren von Männlichkeitsmustern können sie ihre Identität entwickeln und durch positive Vorbilder zu ihrer Männlichkeit finden. Aber auch die Töchter erfahren in der Zuwendung durch den Vater die erste männliche Liebe. Der bewundernde Blick des Vaters fördert die Selbstachtung und Anerkennung als Tochter als Frau.

 

Väterbilder in Familie und Erziehung

 

Väter, die den Kindern vorleben, wie es gelingen kann, das Leben zu meistern, sind für eine gute Entwicklung der Kinder entscheidend. Dafür ist es notwendig, dass Männer die nötige Zeit zur Verfügung haben, um bei den Kindern anwesend zu sein. Gescheiterte Beziehungen, sowie Berufs- und Karrieredruck unserer modernen Leistungsgesellschaft machen es Männern oft unmöglich für ihre Kinder da zu sein. Deshalb plädiert Prof. Aigner vehement für einen Imagewandel in Unternehmen: Väter, die ihre Verantwortung in der der Familie wahrnehmen sind auch als Führungskräfte in Unternehmen kein Effizienzhemmer sondern ein echter Gewinn!

 

Eine besondere Rolle für die Identifikation mit Männerbildern kommt neben der Familie auch den öffentlichen Erziehungseinrichtungen zu. Die Ausführungen von Prof. Aigner und seine Erkenntnisse aus der Kindergartenstudie zeigen, wie wichtig es ist, dass den Heranwachsenden männliche Vorbilder zur Verfügung stehen.

 

Männer im Kindergarten …

  • holen vor allem die Burschen ins Zentrum, die ansonsten eher am Rand bleiben
  • bieten andere und körperbetontere Möglichkeiten der Auseinandersetzung für Burschen und Mädchen
  • forcieren „männliche“ Lebensaspekte auch für die Mädchen
  • verändern das Teamklima entscheidend

 

Je mehr Erfahrungen Kinder mit beiden Geschlechtern in der öffentlichen Erziehung machen können, umso besser können sie sich mit ihrem eigenen Geschlecht auseinandersetzen. Das ist gut für die Entwicklung der Kinder und Väter gleichermaßen.

 

Wolfgang Schönleitner

Vater-Kind-Angebote

 

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