Sonntag 24. Juni 2018

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Glockenordnung zu Ostern

Wenn nun in den katholischen Pfarrgemeinden die Glocken am Gründonnerstag wieder verstummen und der Legende nach gen Rom fliegen, treten an ihre Stelle laute Ratschen. Landauf und landab übernehmen mehrere hundert MinistrantInnen mit ihren Ratschen den Dienst der Glocken während der letzten Tage der Karwoche, nachdem die Glocken zum Zeichen der Trauer über das Leiden und Sterben des Erlösers verstummt sind.


 

In Frankreich glauben Kinder, dass Glocken Flügel besitzen. Den Glockenflug jedoch hat noch niemand gesehen und eine Erklärung kann man wohl nur mit der Verbindung zum Papsttum (die Glocken kehren mit dem Ostersegen des Papstes zurück) finden. Auch die Orgel schweigt bis zum Gloria in der Osternacht, wo die zuvor erlebbare Grabesstille mit besonders feierlichen Klängen beendet wird. Das österliche Glockenläuten, nicht zu verwechseln mit den Osterglocken (Narcissus - auch Märzenbecher, Osterglöckchen genannt), die sprichwörtlich den Frühling einläuten und zu den Zwiebelgewächsen gehören, zählt wohl zu den feierlichsten Läutetraditionen.


Das allgemeine Wissen um die Klänge von unseren Kirchtürmen wird leider immer weniger, so erkennen nur mehr wenige Menschen, wann welche Glocke zu welchem Anlass geläutet wird. Das wohl bekannteste profane Ereignis ist das Einläuten des Neuen Jahres mit der wohlklingenden Pummerin des Wiener Stephansdomes.


 

Alles hat seine Ordnung:

Schon bei der Anschaffung einer Glocke wird mit ihrer Widmung (jede Glocken hat einen Namen und eine Aufgabe) in einer liturgischen Läuteordnung festgelegt, wann sie erklingt. Die Angstglocke am Nordturm der Stiftsbasilika St. Florian (OÖ.), sie ist übrigens die größte erhaltene historische Glocke von Österreich und wurde in Krems im Jahre 1717 gegossen, läutet u.a. jeden Donnerstag Abend, um an die Todesangst Christi zu erinnern.

 

 

Papst Johann XXII. ordnete in Avignon 1318 (oder 1327) an, beim Erklingen der Feierabend Glocke die selige Jungfrau mit drei Ave Maria zu begrüßen. Es wird angenommen, dass das heutige Gebet-Läuten (Angelus) am Morgen, zu Mittag und am Abend einige Jahrzehnte später daraus entstanden ist. In der Regel wird die zweitgrößte Glocke eines Geläutes als Marienglocke bestimmt, die diesen Dienst widmungsgemäß übernimmt.

 

 

Sterbeglocke …

Als Sterbeglocke dient meist die kleinste Glocke eines Geläutes. Sie erklingt auch als sogenannte Zügenglocke (lt. einer Glockeninschrift: „Man läutet mich, wenn in den Zügen ein sterbender Mensch tut liegen, daß im Gebete man seiner gedenke und Gott ein seliges Ende ihm schenke“). Früher hat man am Absetzen beim Läuten erkannt, ob ein Kind, ein Mann oder eine Frau gestorben ist. In Linz durften Sterbeglocken nicht immer erklingen: Als 1855 ab Ende August täglich 15-20 Personen an Cholera starben, wurde das Läuten der Sterbeglocke eingestellt, um die Gemüter nicht noch ängstlicher zu machen.

 

 

… und Geburtsglocke

Mancherorts ist auch eine Geburts- bzw. Taufglocke vorhanden, die bei dem jeweiligen Ereignis geläutet wurde (lt. einer Glockeninschrift: „FÜR DAS KOMMEN JESU CHRISTI DANKE ICH DIE NEUGEBORENEN BEGRÜSSE ICH UND STELLE SIE UNTER DEN SCHUTZ DES MENSCHGEWORDENEN GOTTES ......“).

 

Ganz selten ist sogar eine eigene Hochzeitsglocke vorhanden. Für das zweimalige kurze Läuten bei der Wandlung hat man in vielen Kirchen eigene Wandlungsglocken zur Verfügung, die oft auf eigenen Türmchen, meist hölzernen Dachreitern, aufgehängt sind. Aufgrund der großen Opfer des Ersten Weltkrieges wurde in vielen Pfarren bei der Wiederbeschaffung der für Kriegszwecke von der k. u. k. Herresverwaltung in Anspruch genommenen Glocken die größte als Kriegerglocke gewidmet. In Laussa (OÖ.) ist die Kriegerglocke früher am Allerheiligentag von 1-2 Uhr mit 3 Absätzen je 5 Minuten geläutet worden, beim Requiem für einen Kriegsteilnehmer von der Wandlung bis zur Kommunion.

 

 

Weltliches Glockenläuten:

Auch für profane Aufgaben standen und stehen kirchlich geweihte Glocken zur Verfügung: Bei besonderen Anlässen, zum Sturm-, Feuer-, Nebel-, Elfuhr- und Feierabendläuten. Daneben gab es u.a. noch Ratsglocken und in Wien sogar eine Bierglocke, die sogenannte Bieringerin. Sie hängt heute im nördlichen Heidenturm des Stephansdomes und geht in die Zeit vor 1340 zurück. Die Bierglockenzeit als die Zeit, in der das Ausschenken in und außer Haus zu beenden ist, kommt schon im Stadtrecht vom 23. Juli 1340 vor. 1459 erging der Befehl, dass nach der Bierglocke niemand ohne offenem Lichte auf der Gasse gehen sollte. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde diese Glocke im Winter um 8 Uhr, im Sommer um 9 Uhr geläutet, später um 10 Uhr.

 

Hier noch eine Reihe weiterer weltlicher Glockensignale:

 

 

Feuer- Alarm: Nach der Feuerlöschordnung von 1657 musste der Wächter auf dem Linzer Pfarrturm, wenn er ein Feuer gewahrte, etliche Male die große Glocke anschlagen und das Feuer „verrufen“ (ausrufen).

 

 

Wetterläuten: Das über Jahrhunderte gebräuchliche Wetterläuten wurde von Kaiser Josef II. am 26.11.1873 per Hofdekret aufgrund einer Reihe trauriger Erfahrungen verboten. Die Inschrift einer Wetterglocke lautete: „ Alle Wetter vertreib ich, in der Not schrei ich“.

 

 

Elfuhrläuten: Das Elfuhrläuten meldete am Lande die Mittagszeit, welche die sogenannte Elfuhrglocke verkündete.

 

 

Feierabendläuten: Es war am Lande allgemein üblich. Beim Klang der Glocken wird in der Regel die Arbeit eingestellt und die Vorbereitung auf den Sonn- oder Festtag gemacht. Für das Läuten (Wetter-, Elfuhr- und Feierabendläuten) bekam der Mesner in einigen Pfarren von den Grundbesitzern die Wetterläut-Garben oder ein Getreide-Deputat.

 

 

Siegfried Adlberger

Orgelbaumeister, Orgel- und Glockenreferent der Diözese Linz sowie

Vorsitzender der Fachkommission Glocken der Österreichischen Kirchenmusikkommission

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