Sonntag 24. Juni 2018

Inhalt:

Männergesundheit

So wie Gesundheit an sich umfasst auch die Männergesundheit drei Dimensionen: das biologische, das psychologische und das soziale Wohlbefinden. Alle drei sind untrennbar miteinander verbunden, in allen drei Belangen gibt es aber Defizite.

 

 

Männlichkeit

Unter Männlichkeit (Androgenizität) versteht man den Grad eines geschlechtstypischen Äußeren und Verhaltens eines Mannes. Die Mehrheit der Bevölkerung nimmt einen schlanken sportlichen Körper, akkurates Auftreten und nicht-prätentiöses Verhalten als männlich wahr. Im biologischen und sozialen Sinne ist der Trend zur Demaskulinisierung nicht zu leugnen, das heißt, dass Männer immer weiblicher werden. Als Gründe  hierfür werden mehrere Faktoren genannt, der Lifestyle, die Umweltbelastung mit Östrogenen und das mediale Einhämmern auf Männer mit neumodernen Interpretationen von Geschlecht .

 

Östrogenbelastung

Das Sich-Angleichen der Geschlechter nennt man Geschlechterdiffusion. Die Männer werden immer weiblicher. Es macht ihnen hierbei vor allem die östrogenverseuchte Umwelt zu schaffen. Konkret werden Pestizide, das sind Schädlings- und Unkrautvernichtungsmittel, die Bisphenole von Einwegflaschen und die von Frauen eingenommen Antibabypille verdächtigt, die Östrogenbelastung auf Männer zu forcieren. Diese Vorgänge erklären nicht nur die schlechte Spermaqualität vieler Männer, sondern auch die Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes: das auffallend androgyne Fettverteilungsmuster, Muskeldefizite und messbar kleinere Genitalien sind nur einige von vielen Symptomen.


Lifestyle

Umweltfaktoren alleine sind nicht verantwortlich für das Dilemma der Männer, es ist auch der allzu wohlständige Lifestyle. Das Männerhormon Testosteron will gepflegt werden und dazu müssen Männer schon das ihre beitragen. Nicht „artgerechtes“ Verhalten, Bewegungsmangel und Übergewicht lassen den Östrogenspiegel  in die Höhe schnellen, ein Übermaß an Alkohol beschleunigt diesen Vorgang. Es gilt: „Testosteron macht den Jäger, der Jäger aber macht das Testosteron“.


Soziale Demontage

Leider unterliegt „Geschlecht“ an sich, das männliche aber im Besonderen, einer zunehmend abwertenden Beurteilung. Geisteswissenschaftliche Fächer maßen sich an, unter vollständiger Leugnung der Biologie, „Geschlecht“ als ein rein soziales Konstrukt dar zu stellen. Leider erschweren solche Standpunkte eher das Zusammenleben der Geschlechter als es zu erleichtern.


Alterungsprozess

Männer haben zwar keine Andropause, in den Wechsel kommen sie aber sehr wohl. Er ist die Folge eines kontinuierlich fallenden Testosteronspiegels, der meist in der Mitte der 5. Lebensdekade zu Problemen führt. Leitsymptom ist Energielosigkeit, die sich meist nicht nur auf das Bett beschränkt. Nicht selten werden Testosteronmangelsymptome als „Burn-Out-Syndrome“ fehlinterpretiert.


Herausforderungen für die Männer

Die Störung der „sexuellen Identität“ – des Selbstwertes im eigenen Geschlecht - ist die wohl am häufigsten gestellte Diagnose in einer Männersprechstunde. Die moderne Gesellschaft kann auf typisch männliche Tugenden wie Kämpfen, Tapferkeit und Mut sehr gut verzichten. Der erfolgreiche Mensch von heute ist durch soziale Kompetenz und Kreativität gekennzeichnet, beides sind eher den Frauen zugeschriebene Eigenschaften. Dieser Wandel an Wertvorstellungen verunsichert viele Männer und führt zu einer tiefen Sinnkrise. Den Spagat zwischen Mannsein und prosozialer Kompetenz schaffen jedenfalls nur wenige. Viele junge Männer verwirklichen sich in Computerspielen oder in den Banlieus der Vorstädte, Rechtsradikalismus mutiert zur Jugendbewegung.


Sexuelle Störungen

Männer definieren sich über ihre Erektion. Umso schlimmer für jeden Mann, wenn „es“ nicht mehr funktioniert. Erektionsstörungen bei jüngeren Männern sind fast zu 100 Prozent psychosomatischer Natur. Grund dafür ist immer Leistungsdruck, der verschiedene Ursachen haben kann.

Zum einen sind die Männer in ihrer Sexualität verunsichert. Die Rolle des „modernen“ Mannes lässt sich mit der des leidenschaftlichen Liebhabers kaum verbinden. Genau den fordern aber viele Frauen  Zum anderen bezieht der junge Mann sein Wissen über Sexualität aus dem Porno, der - seit es - das Internet gibt, kostenlos und rund um die Uhr abrufbar ist. Pornos vermitteln ein falsches Bild von Sexualität, viele Männer schwelgen in nicht erreichbaren sexuellen Phantasien und sind mit ihrer sexuellen Realität nicht mehr zufrieden zu stellten. Das sexuelle Scheitern ist vorprogrammiert.


Conclusio

Meinen Erfahrungen aus der sexualmedizinischen Praxis heraus sind authentische Männer die erfolgreicheren. „Authentisch“ steht hier für „natürlich und dem traditionalistischen Geschlechtsrollenbild entsprechend“. Solche Männer sind nicht nur in der Sexualität erfolgreich, sondern auch im täglichen Leben und in der Wirtschaft.

Typisch männliche Eigenschaften wie Kämpfen, Jagen und Experimentieren haben zwar an Bedeutung verloren, werden heute aber erfolgreich alternativ interpretiert. Wir müssen heute nicht mehr in den Krieg ziehen, Gott gebe, dass dies so bleibt, denn Gewalt ist nicht typisch männlich. Heutzutage ersetzt der Sport den Kampf, und wie sehr unsere Gesellschaft Sportlern wohlgesonnen ist kann täglich festgestellt werden. Auch dem Jagdinstinkt kann im Sport gefrönt werden.

Den männlichen Hang zum Experimentieren kommen zahlreiche Männer in der Industrie, am Bau oder auch in der IT-Branche nach, alles von Männern dominierte Berufe.

Mein Vorschlag an die Männer: lebt euer Leben artgerecht. Bewegt Euch, seid unternehmungslustig, experimentierfreudig und begeistert eure Frauen, denn (die meisten) Frauen lieben „richtige“ Männer.

Dr. Georg Pfau,

niedergelassener Sexualmediziner in Linz mit Spezialisierung auf Männer.

Sexualmediziner behandeln neben der biologischen Komponente von Störungen, auch jene, die aus der Psychologie oder dem sozialen Umfeld stammen.

 

Weitere Informationen: www.maennerarzt-linz.at

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Katholische Männerbewegung der Diözese Linz
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