Sonntag 22. Oktober 2017

Inhalt:

Mutter der Sozialenzykliken - Rerum Novarum von Papst Leo XII

Ypsilon 5/2017

Jede Sozialenzyklika hat eine „Vorlaufzeit" Die Versklavung großer Teile der industriellen Arbeiterschaft schrie förmlich zum Himmel. Dies war ein Beweggrund für die Veröffentlichung von Rerum Novarum durch Papst Leo XIII im Jahre 1891.

Bereits 1848 hat sich der Mainzer Bischof Ketteler in den Adventpredigten dieser neuen sozialen Frage angenommen. Papst Leo XIII nannte ihn „unseren großen Vorgänger“.

Josef Ritter von Buß – er forderte eine staatliche Sozialpolitik und Arbeiterschutzgesetzgebung – Kolping, Karl Vogelsang und die Papst-Leo-Kreise dürfen zu Wegbereiter von Rerum Novarum gezählt werden.

 

Hat sich durch diese Enzyklika etwas verändert?

Diese Frage kann man mit einem klaren JA beantworten. Ich denke an die Entwicklung der christlichen Arbeitervereine, die Papst Leo ein Herzensanliegen waren. Späterer haben sich daraus christliche Gewerkschaften entwickelt. Ein starkes Zeichen in der Arbeiterfrage setzte Kardinal Cardijn mit seiner KAJ (Katholische Arbeiterjugend). Die KAB (Katholische Arbeitnehmer/innenbewegung) und Betriebsseelsorge haben großen Anteil an der Umsetzung der Katholischen Soziallehre. P. Schasching bezeichnet Rerum Novarum nicht zu Unrecht als „Mutter der Sozialenzykliken“ und damit der Katholischen Soziallehre.

 

Wird sie noch für manche herangezogen?

Wenn man heute die vor 126 Jahren veröffentlichte erste Sozialenzyklika liest, muss man sich in die damalige Zeit zurückversetzen, sonst wird man mit manchen Aussagen seine Schwierigkeiten haben. Ich denke an seine Haltung zum Sozialismus, oder zum Privateigentum. Es ist auch die Sichtweise des Gemeinwohls zu finden, die ja in „Laudato Si“ von Papst Franziskus eine große Rolle spielt.

Natürlich sind die Säulen der Katholischen Soziallehre in Rerum Novarum zu finden. Die Würde des Menschen als Person, die Solidarität und die Subsidiarität. Der Staat ist verpflichtet, den Arbeiter ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, soll aber erst dann eingreifen, wenn alle anderen Möglichkeiten nicht zum Ziel führen. Diese Grundsätze wirken auch heute noch weiter.

Es fasziniert mich, dass alle 11 Sozialenzykliken auf die jeweilige soziale Situation unserer Welt aus der Sicht des Glaubens, der Hl. Schrift, Stellung beziehen und Lösungsansätze aufzeigen. Und doch bleibt Rerum Novarum die Basis auf die immer noch von den Päpsten bei Erstellung einer neuen Sozialenzyklika zurückgegriffen wird. Daher ist diese Frage mit JA zu beantworten.

 

Ist sie inhaltlich für das aktuelle Verhältnis zwischen Kirche und Gewerkschaft relevant?

Über Gewerkschaften findet man im Rerum Novarum keine direkten Hinweise, zum Unterschied der neueren Enzykliken, die die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Gewerkschaften klar herausstellen. Ich denke, dass Papst Leo eher der damals entstandenen Genossenschaftsidee und den Arbeitervereinen viel abgewinnen konnte.

 

Gibt es inhaltliche Überschneidungen, gibt es Differenzen?

Papst Leo XII lehnte Klassenkampf ab. In der Praxis mussten sich aber die Arbeiter ihre Rechte erkämpfen. Wichtig war dem Papst, dass die Arbeiter zu einem Besitz kommen, der gleichzeitig Sicherheit bedeuten würde. Daraus ist die Verteidigung des Privateigentums zu verstehen. Differenzen kommen meistens dann zu Stande, wenn Finger auf die Wunden der Gesellschaft gelegt werden. Spannt man einen Bogen von der ersten Sozialnzyklika (1891) bis zu „Laudato Si“(2015) von Papst Franziskus, so sieht man, dass es beiden Päpsten um Bekämpfung der Armut geht und das führt zu Differenzen innerhalb und außerhalb der Kirche, diese Spannung erleben wir zur Zeit – Auf welcher Seite stehen wir?

 

Autor: Karl Ebner, KAB Amstetten

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