Sonntag 22. Oktober 2017

Inhalt:

Die Verehrung der Heiligen - Basiswissen Reformation

Ypsilon 5/2017

Wenn man heute nach dem Unterschied zwischen Katholisch und Evangelisch fragt, bekommt man meistens die Antwort: Die Evangelischen anerkennen Maria und die Heiligen nicht. Zwar ist das eine etwas oberflächliche Sicht der Dinge, beweist aber, dass sich im kollektiven Gedächtnis etwas vom Kern des reformatorischen Anliegens erhalten hat.

In ihrer Bekenntnisschrift von 1530, der Confessio Augustana (CA), zählen die Evangelischen das Rosenkranzbeten, die Heiligenverehrung und die Wallfahrten für „kindische und unnötige Werke“ Warum? Die Antwort erwächst aus dem Zentrum lutherischen Denkens: „Unsere Werke können uns nicht mit Gott versöhnen und uns Gnade erwerben, sondern beides geschieht allein durch den Glauben.“

Vor dieser Erkenntnis liegt die Epoche des Mittelalters, das zwar nicht finster war, aber in der alltäglichen Frömmigkeit Blüten trieb, die zu mannigfaltiger Klage Anlass gaben. Die vielen und ausufernden Wallfahrten, der abergläuberische Kult um die Heiligen, die gegen eine Unzahl Opfer-und Votivgaben um ihre Hilfe bis in die kleinsten Alltagsprobleme hinein angegangen wurden, die oft ins Übermenschliche gesteigerte Hysterie von Askese und Abtötung, um sich möglichst viele und große Verdienste bei Gott zu erwerben. Und das alles, so der Vorwurf der Reformatoren, um daraus finanzielle und materielle Gewinne zu schlagen.

 

Unterschiedliche Heiligenverehrung

 

So ist also die Heiligenverehrung letztlich zwischen die Mühlsteine der Rechtfertigungslehre geraten. Und was ist von ihr übriggeblieben?

„Von den Unseren wird gelehrt“, heißt es in CA, „dass man der Heiligen gedenken soll, damit unser Glaube dadurch gestärkt wird. Aus der Heiligen Schrift lässt sich aber nicht beweisen, dass man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen soll.“

Man stellt also die Heiligen nicht in Frage, bekämpft aber ihre Instrumentalisierung für eine unbiblische Werkgerechtigkeit. Im Klartext: Der Rückgriff auf die Bibel und das neue Verständnis von Glauben verunmöglicht eine Weiterführung der gängigen Praxis.

Das haben die katholischen Theologen des Tridentinischen Konzils sehr klar erkannt und stellen im Jahre 1563 definitiv fest: „Es ist gut und nutzbringend, sie (die Heiligen) um Hilfe anzurufen und zu ihren Gebeten, zu ihrer Macht und Hilfe Zuflucht zu nehmen.“ Und als I-Tüpfchen erklären sie die für gottlos, die es als Götzendienst ansehen, die Heiligen anzurufen, „damit sie für uns auch als einzelne bitten“. Damit haben sie die Grundlage für den darauf folgenden barocken Heiligenkult gelegt.

 

Autor: Ernest Theußl, Theologe und Vorsitzender der KMB Steiermark.

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