Sonntag 22. Oktober 2017

Inhalt:

"Gute Arbeit" für alle!? - Gedanken zur Sozialenzyklika

Papst Leo XIII. geht in seiner Enzyklika „Rerum novarum“ ordentlich zur Sache. Von einem „nahezu sklavenähnlichen Joch“, das „wenige übermäßig Reiche einer Masse von Besitzlosen“ (Nr. 2) auferlegen, ist da beispielsweise die Rede.

Der berühmte Sozialethiker Oswald v. Nell-Breuning meint, dass Leo XIII. in der Klarheit und Radikalität seiner Analyse der damaligen sozialen Situation der Marxschen Gesellschaftskritik nicht nachstehe.

 

In der Frage, wie die Missstände überwunden werden können, liegen die beiden Konzepte dann allerdings weit auseinander. Während der seinerzeitige Sozialismus / Kommunismus ganz auf die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln setzte, sah der Papst drei Ebenen in der Pflicht:

(1) Die Arbeiter selbst, die Formen der Selbsthilfe nützen sollen, z.B. „Arbeitervereinigungen“ (Nr. 36ff.).

(2) Den Staat, der die Gesetzgebung und die Verwaltung so zu gestalten habe, „dass daraus von selbst das Wohlergehen der Gemeinschaft wie der einzelnen emporblüht“. Dieser müsse tätig sein „für den Nutzen aller Klassen der Bevölkerung und insbesondere für die Lage der Arbeiter“. Nichts gehe den Staat „seinem Wesen nach näher an als die Pflicht, das Gemeinwohl zu fördern“ (Nr. 26). Das war damals kirchlicherseits eine revolutionäre Forderung.

(3) Den notwendigen Beitrag der Kirche sieht er in mehreren Dimensionen: Von der „Lehre“ und sozialpolitischen Forderungen bis hin zum „eifrigen Streben, die Not des Lebens auch nach der materiellen Seite zu lindern“ (Nr. 23). Letzterem verdankt sich schließlich ab Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Herausbildung der Caritas-Organisationen, wie wir sie heute kennen.

 

Eine Position in „Rerum novarum“, die auf dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen in Österreich unmittelbar ins Auge springt, ist jene nach dem gerechten Lohn. Der Papst nennt es eine „Forderung der natürlichen Gerechtigkeit“, dass „der Lohn nicht etwa so niedrig sei, dass er einem genügsamen, rechtschaffenen Arbeiter den Lebensunterhalt nicht abwirft“ (Nr. 34). Wenn laut einer  EU-Studie 2016 in Österreich rund 8% der Erwerbstätigen (313.000 Menschen) zur Gruppe der „working poor“ zählen, deren Erwerbseinkommen nicht existenzsichernd ist, dann zeigt das, dass die Frage nach dem gerechten Lohn für das Bemühen um „gute Arbeit“ seit 125 und mehr Jahren ein Dauerbrenner ist. Und nimmt man hinzu, dass in Österreich jener Wert, unter dem die niedrigsten 10% der Einkommen von unselbstständig Erwerbstätigen liegen, in den letzten 17 Jahren nominal um mehr als 10% gesunken ist, dann ist das ein untrügliches Zeichen, dass sich die sozialen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Erwerbsarbeit gegenwärtig sogar noch deutlich zuspitzen und verschärfen.

 

Stichworte wie „Digitalisierung“ oder „Pluralisierung der Beschäftigungsformen“ signalisieren Veränderungen am Arbeitsmarkt, die allesamt auch eine Reihe von herausfordernden sozialen Fragen im Schlepptau haben und den Druck auf die „Schwächeren“ erhöhen. Soll aber das Recht auf „gute Arbeit“ für alle Menschen gelten, dann werden diese Entwicklungen die Bildungs-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik ebenso wie die Wirtschaft und die Unternehmen und auch den Einzelnen in den nächsten Jahren in hohem Maße in die Pflicht nehmen. Kirche und Caritas werden dazu ebenfalls ihren Beitrag leisten müssen.

 

Dr. Walter Schmolly, Mathematiker und Theologe, 2005-2015 Leiter des Pastoralamtes der Diözese Feldkirch, seit 2015 Direktor der Caritas Vorarlberg.

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