Freitag 22. September 2017

Inhalt:

Evangelische Väterarbeit

Ich glaube an Gott, den Vater... so beginnt das Glaubensbekenntnis, und für Jesus ist das Vaterunser das wichtigste Gebet. Vater ist – neben anderen - in der Bibel das zentrale Bild für Gott.

Wie hören wir das heute, zweitausend Jahre später, in einer ‚vaterlosen Gesellschaft' (Mitscherlich), in der durch Partnertrennungen viele Kinder keinen, nur eingeschränkten oder durch Streit belasteten Kontakt mit dem Vater haben? Wie hören wir das vor dem Hintergrund abwesender oder gewalttätiger Väter? Das Vater-Bild ist beschädigt. Das biblische Vater-Bild ist uns da Vorbild und Verpflichtung für eine evangelische, am Evangelium orientierte Väterarbeit. Dabei ist evangelische Väterarbeit für uns durch 3 Aspekte gekennzeichnet: Kontakt, Vorbild und Energie.


Der Kontakt zwischen Vätern und Kindern
Kinder brauchen für ihre Entwicklung Kontakt. Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf andere angewiesen. Die Räume der Berufswelt und die privaten Lebensräume werden aber immer mehr voneinander getrennt. Ich erinnere mich an einen Vater, der für das Vater-Kind-Wochenende am Freitag aus Kasachstan angeflogen kam und am Sonntag direkt wieder zum Flughafen musste. Die alltägliche Gemeinsamkeit geht verloren. Deshalb müssen wir Anlässe schaffen für den Kontakt und diesen intensivieren.
Väter brauchen Ideen für guten Kontakt. Und Ideen davon, wie sie diesen Kontakt im Alltag aktivieren können, z.B. die Vater-Kind-Massage:
Es gibt gewalttätigen und sexualisierten Kontakt. Dieser wurzelt in einem gestörten Verhältnis zum eigenen Körper. Die beste Prävention ist das Einüben von gutem Kontakt. Die Vater-Kind-Massage hat immer Hin- und Rückspiel. Zunächst legen sich die Kinder auf den Rücken und werden von den Vätern massiert. Wir beginnen mit einer Aufwärmübung für die Hände und massieren dann den Rücken der Kinder. Gut funktionieren Massagen mit einem Thema: Wetter, Pizzabacken oder eine biblische Geschichte. Wichtig ist, dass unterschiedliche Energien, ruhige und intensive Phasen sich abwechseln. Im Rückspiel dürfen sich die Väter entspannen und die Kinder massieren. Das ist wichtig, weil Kontakt immer gegenseitig sein muss. Wir hören immer wieder von den Vätern, dass die Vater-Kind-Massage zu einem abendlichen Ritual zuhause wird.


Der Vater als Vorbild
Wir erleben immer mehr Väter, die als Teilnehmer unserer Veranstaltungen eine aktive Vater-Rolle bewusst füllen wollen. Das ist gut. Aber viele Männer sind auch noch verunsichert und wissen nicht, wie sie ihrer Rolle gerecht werden können. Sie brauchen jemanden, der ihnen die Rolle als Vorbild zuspricht und sie darin begleitet. Deswegen ist uns eine bewusst niederschwellige Ausrichtung unserer Väterarbeit wichtig. Verunsicherte Väter brauchen bekannte Räume (Kindergärten), die nahe liegen und damit die Möglichkeit des Rückzugs nach Hause bieten. Sie brauchen kostengünstige Angebote, die Erlebnisse und Abenteuer versprechen. Handwerkliches Arbeiten bietet die besten Möglichkeiten, dass diese Väter sich neu als Vorbilder erleben können. Sie bringen ihren Kindern einfache handwerkliche Tätigkeiten bei.
Auch Josef war ein Zimmermann und hat Jesus sicher in das Handwerk eingeführt. Wenn Väter mit ihren Kindern sägen, nageln, schleifen oder malen, dann wachsen sie in die Rolle eines Vorbildes hinein und lernen selbst diese Rolle zu füllen. Weihnachtskrippen mit Naturmaterial bauen ist ein Dauerbrenner der Väterarbeit. Über das gemeinsame Produkt, die gemeinsam gebaute Weihnachtskrippe entsteht Beziehung. Väter und Kinder müssen sich darüber austauschen, wofür sich die Wurzel eignet oder wie das Dach der Krippe gebaut werden soll. Das im Wald gefundene Naturmaterial muss verarbeitet werden, dabei wird auch die Beziehung bearbeitet. Der Vater wird zum Vorbild in der Bewältigung der einfachen handwerklichen Tätigkeiten. Ich denke, männliche Spiritualität hat einen ganz handfesten Aspekt.


Väterliche Energie
Es sind viele Gaben, aber es ist ein Geist. (1.Kor 12,4) Der Heilige Geist versöhnt die Verschiedenheit der unterschiedlichsten Menschen zu einer Gemeinschaft. Das gelingt, wenn Menschen aus verschiedenen Milieus zusammenkommen: Firmenchefs mit Arbeitern, Angestellte mit Lehrern, Förster mit Büromenschen. Es gibt wohl keinen Bereich der Erwachsenenbildung, in dem so unterschiedliche Menschen durch ein verbindendes Thema zusammenkommen. Und jeder Vater bringt eine Fähigkeit, eine persönliche Stärke mit. Dadurch sind alle befähigt und eingeladen, mitzuwirken am Gelingen des Vater-Kind-Festivals (*1).
„Es hat etwas Magisches", so fasst es ein Vater im Interview zusammen: 750 Väter und Kinder zelten, feiern, spielen, basteln, malen, singen und feiern Gottesdienst, drei Tage lang. Und funktionieren kann das nur, weil jeder zum Gelingen seinen Teil beitragen muss. Wir stellen Zeltplatz, Verpflegung, Material und Anleitungen zur Verfügung. Wir sagen, wer wann was tun soll. Und wir laden die Väter ein, am Ganzen mitzuwirken, damit der reibungslose Ablauf gewährleistet ist. Die Teilnehmer werden in Dörfer zu jeweils 10 Vätern mit ihren Kindern eingeteilt. Und jeder Vater bekommt seinen Job: Einer wird Bürgermeister, einer muss morgens, mittags oder abends das Essen holen, einer liest die Gute-Nacht-Geschichte, einer leitet die Spiele an... Und alle tragen so zum Gelingen bei: Es sind viele Gaben, aber es ist ein Geist.


Ein Grund ist gelegt
Evangelische Väterarbeit gründet im trinitarischen Gottesbild: der schöpfungsgemäßen Bestimmung des Menschen als sozialem Wesen (Kontakt), der Orientierung am Vorbild Jesu, und der Bewegung durch die Energie des Heiligen Geistes. Evangelische Väterarbeit nimmt die Botschaft der Evangelien auf. Aber es schließt katholische Väter nicht aus oder solche mit anderem oder ohne Bekenntnis.
Wir fördern die Beziehung zwischen Vätern und Kindern. Wir befähigen Väter, Vorbild zu sein. Wir ermöglichen die Wahrnehmung väterliche Energie. Dadurch wird unser Bild von Gott als Vater etwas bunter und lebendiger.

 

(*1) www.vater-kind-festival.info

Dirk Heckmann
Referent für Männerarbeit und Erwachsenenbildung
Evangelischer Kirchenkreis Unna/Nordrhein-Westfalen

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