Freitag 17. November 2017

Inhalt:

Verpasste Reform .... Vatikanisches Konzil in Lateran

Am 16. März waren es 500 Jahre her, dass in Rom das V. Laterankonzil feierlich geschlossen wurde. Ein halbes Jahr vor dem folgenschweren Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg. Das Konzil war noch von Papst Julius II., dessen Grabmal heute die berühmte Mosesstatue von Michelangelo ziert, am 16. Mai 1512 eröffnet worden und sollte sich ausdrücklich der Reform der Kirche „an Haupt und Gliedern“ widmen.

Dieses Schlagwort war nicht neu. Schon der angesehene Philosoph und Kardinal Nikolaus Cusanus (+1464) hat die  Kirche mit einem kranken Körper verglichen, der an Haupt und Gliedern geheilt werden müsste. Immer wieder hat es Versuche gegeben, zu einer ernsthaften Erneuerung zu schreiten. Im Jahre 1511 hat eine Gruppe unbotmäßiger Kardinäle (auch das hat es schon einmal gegeben!) sogar ein eigenes Konzil einberufen – in Erinnerung an Konstanz, das die päpstliche Gewalt einer allgemeinen Kirchenversammlung untergeordnet hatte. Der Unmut war immer lauter geworden. Treffend formuliert hat es Sebastian Brant in seinem „Narrenschiff“ aus dem Jahre 1494:

Der Wolf ist wahrlich in dem Stall

und raubt der heil'gen Kirche Schafe,

dieweil der Hirte liegt im Schlafe.

 

Zuviel Prunk und Luxus

 

Woran krankte es also? Das Renaissancepapsttum hat einen derart verschwenderischen und aufwändigen Lebensstil vorgelebt, dass er im gemeinen Kirchenvolk als Skandal empfunden werden musste. Die Käuflichkeit kirchlicher Ämter, die Vernachlässigung der Residenzpflicht, der Wucher mit Kreuzzugs- und Ablassgeldern, der ungebildete niedere Klerus, das alles macht ein Bild des Jammers. Dazu kam eine außer Rand und Band geratene religiöse Praxis, überbordende Reliquien und Heiligenverehrung, Geschäftemacherei mit den Wallfahrten, Seelmessen und Stiftungen, Wundersucht, Höllen- und Teufelswahn.

Man hat das Übel wohl gesehen, aber wer sollte hier Abhilfe schaffen? Das Konzil hat sogar beachtliche Reformbeschlüsse gefasst, aber Papst Leo X., der Sohn von Lorenzo il Magnifico aus Florenz, der später Martin Luther mit dem  Bann belegen sollte, war ein Schöngeist und kein Mann der Tat. Die Sache verblieb auf der langen Bank.

 

Unsterblichkeit der Seele

 

Die einzige dogmatische Entscheidung des Konzils war die von der Unsterblichkeit der Geistseele, wie sie in der 8. Sitzung am 19. Dezember 1513 gefällt worden ist. Die Sache ist insofern von Interesse, als sie einen Blick werfen lässt auf die geistigen und philosophischen Wurzeln unserer Theologie, aus denen heraus sie letztlich die Glaubensformeln entwickelt hat. Die Bibel selber kennt noch keine Seelenlehre, und selbst das Glaubensbekenntnis spricht nur von der „Auferstehung der Toten und dem ewigen Leben“.

Die ersten, die sich über die Seele des Menschen Gedanken gemacht haben, waren die Griechen, namentlich Sokrates, Platon und Aristoteles. Dabei kamen sie zu  ganz unterschiedlichen Ergebnissen, was in der Philosophiegschichte immer wieder aufflackerte.

Das platonische Modell war recht einfach: Die Seele ist ein vom Leib separierter Teil, der sich im Tod von ihm trennt, und ohne Leib ewig existiert. Der Leib ist eine Art Gefängnis für die Seele, die sich danach sehnt, von ihm erlöst zu werden. Die Seele ist der eigentliche Mensch, der Körper ist nur ihr Schatten.

Aristoteles hingegen sieht Leib und Seele als eine einheitliche Substanz, die ineinander fließt und so den Menschen ausmacht. Die Seele wird als Entelechie (formgebende Kraft) des Körpers verstanden, woraus vor allem spätere Interpreten schlossen, dass sie mit dem Absterben des Körpers ihre ursprüngliche Bestimmung verliert.

 

Verteufelte Philosophie

 

In dieser Denktradition trat zu Beginn des 16. Jahrhunderts der Philosoph Pietro Pomponazzi (1462-1525) auf, der vehement eine individuelle Fortdauer der Seele leugnete, wodurch natürlich auch Himmel, Hölle und Fegefeuer überflüssig wurden. Da reagieren die Väter des Konzils energisch: Diese Lehre wird „dem Sämann des Unkrauts, dem alten Feind des Menschengeschlechts zugeschrieben, der diese ganz verderblichen, von den Gläubigen immer verabscheuten Irrtümer ins Ackerfeld ausstreut.“

Daher, so dekretiert das Konzil, „verurteilen wir also alle und weisen wir alle zurück, die behaupten, die vernünftige Menschenseele sei sterblich oder sie sei nur eine einzige in allen Menschen.“ (NR 205)

 

Streit dauert bis heute an

 

Heute wird diese Lehre von zwei Seiten kritisch beleuchtet. Einerseits von der Bibel, die die platonische Lehre von der Seele nicht kennt, anderereits von der Naturwissenschaft, die von einer biologischen Evolution auch des Geistes ausgeht und eine individuelle Beseelung des Menschen bei der Zeugung nicht für wahrscheinlich hält. Letztlich aber lässt sich dieses Leib-Seele-Problem philosophisch nicht eindeutig lösen. Theologisch hört sich das so an: Auferweckung des ganzen Menschen oder Fortdauer eines Teils von ihm bis zu einer Wiedervereinigung am Jüngsten Tag.

Der Katechismus der Katholischen Kirche aus dem Jahre 1992 bleibt auf dem Boden von Lateran V: „Die Kirche lehrt, dass jede Geistseele unmittelbar von Gott geschaffen ist – sie wird nicht von den Eltern hervorgebracht – und dass sie unsterblich ist. Sie geht nicht zu Grunde, wenn sie sich im Tod vom Leibe trennt, und sie wird sich bei der Auferstehung von neuem mit dem Leib vereinen.“ KKK 366

 

Existentialistische Theologen (Gabriel Marcel, Karl Rahner) sehen dieses Denkmodell, das der scholastischen Theologie des Mittelalters entstammt, viel zu mechanistisch und juridisch. Sie meinen, dass wir im Tod dem Unendlichen gegenüberstehen, aus dessen Wirkkraft wir nicht mehr herausfallen können. Es ist nicht mehr von der „Seele“ als Bestandteil des Menschen die Rede, sondern vom „Ich“, das im Tod dem großen „Du“ begegnet. „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir.“ (Apg 17,28)

 

Autor: Mag. Ernest Theussl, Vorsitzender der KMB Steiermark.

 

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