Dienstag 20. Februar 2018

Inhalt:

Fronleichnam - Gott im Leben und in der Welt von uns Menschen

 

Anlässlich des Fronleichnamsfestes will ich über das Zeichen des Brotes und über das Wesen der Eucharistie nachdenken. Im Zeichen des Brotes und in der Feier der Eucharistie sind ganz wesentliche menschliche Lebenshaltungen grundgelegt. Grundhaltungen, die uns zu einem vollen und erfüllten Menschsein verhelfen.

 

Jeden Sonntag das Gleiche?

Oder: Einüben in grundlegende Haltungen unseres Menschseins

 

Es ist nun schon wieder einige Wochen her, als ich mit der folgenden Meinung eines Jugendlichen konfrontiert worden bin: „Warum soll ich denn jeden Sonntag in die Kirche gehen? Das wäre doch grad so, als wenn ich jeden Sonntag im Fernsehen den gleichen Film anschauen würde.“

 

Ich will die Meinung diesen Jugendlichen hier keineswegs lächerlich machen – im Gegenteil: ich glaube, es trifft offenbar etwas ganz Zentrales in seiner Wahrnehmung. Und es werden wohl viele Jugendliche, aber auch Erwachsene und Kinder sein, die das so ähnlich empfinden.

Die Eucharistie – jeden Sonntag der gleiche Film, noch dazu ein veralteter und nicht dem Stand der Zeit entsprechend? Oder doch: Die Feier der Eucharistie als ein zentraler Ausdruck unseres Lebens und Glaubens?

 

Die Meinung dieses Jugendlichen hat mich wirklich herausgefordert, einmal einen etwas anderen Zugang zur Feier der Eucharistie zu versuchen, der nicht voraussetzt, dass man von Kind auf damit aufgewachsen ist und mit ihrem Ablauf und Inhalten vertraut ist.

 

Ein ganz entscheidender Punkt bei der Feier der Eucharistie ist wohl, dass wir - wenn wir sie feiern - auch spüren können, dass es um uns und um das Gelingen unseres Lebens geht.

 

Ein Vergleich aus der Welt der Musik

Vielleicht kann uns fürs Erste ein Vergleich weiterhelfen: jeder Musiker weiß es, wie wichtig das regelmäßige Üben ist um weiterzukommen und auch um sich die Freude am Musizieren zu erhalten.

Und beim Einlernen eines Musikstückes – besonders bei den schwierigen und anspruchsvollen Stücken – ist ein oftmaliges Üben und Wiederholen nötig. Das ist oft auch recht mühsam, weil es einen nicht immer wirklich freut und man oft auch bessere oder schlechtere Tage hat. Damit die Freude am Musizieren erhalten bleibt, darf das Üben aber letztlich kein Zwang sein, sondern muss aus einem inneren Antrieb und Bedürfnis heraus erfolgen. Daran erkennt man auch die leidenschaftlichen Musiker.

Je mehr man aber übt und in ein Musikstück hineinhört und -fühlt, umso mehr bekommt man dann auch mit von den Feinheiten, umso tiefer dringt man ein in den Geist, in den inneren Gehalt, in die tiefe Aussage, die in einem Werk steckt.

Und noch eines: das gemeinsame Musizieren verbindet und jedes Instrument ist an seinem Ort wichtig für den gemeinsamen Klang.

 

Ich bin mir sicher, dass Ähnliches auch bei der Eucharistie gilt. Und es ist keinesfalls jeden Sonntag das Gleiche, was wir da feiern, auch wenn es vielleicht vom äußeren Ablauf so aussehen mag. Da gibt es jeden Sonntag andere Schriftlesungen, die unterschiedlichen Anlässe oder Feste im Jahreskreis und nicht zuletzt gehen ja auch die Zeit und unser Leben weiter. Das Mitfeiern der Messe hat auch etwas von einem solchen Einüben, es kann uns dabei helfen – um im Bild von vorher zu sprechen -, das große Werk Gottes zu erahnen. Und das ist sicher eine Lebensaufgabe.

 

So möchte ich über die Eucharistie nachdenken, indem ich über unser Menschsein nachdenke. Ich tue das in dem Bewusstsein, dass damit noch lange nicht alles über die Eucharistie gesagt ist. Und ich stütze mich dabei maßgeblich auch auf Aufzeichnungen von einem Vortrag von P. Johannes Pausch, Prior des Europaklosters Gut Aich.

 

Was sind denn nun Haltungen, die ein volles, ein erfülltes Menschsein ausmachen?


Bei genauerer Betrachtung geht es um Haltungen, die auch in der Eucharistiefeier grundgelegt sind und die wir im Mitfeiern der Eucharistie einüben können.

 

1.) Die Bereitschaft und die Fähigkeit, ganz da zu sein

 

Das ist zugleich eine der größten Herausforderungen in unserer Zeit der vielen Zerstreuungen und Reizüberflutungen - nämlich das Anwesend-Sein, das Gegenwärtig-Sein, das innerliche zur Ruhe kommen. Damit wird auch ein ganz wichtiges Grundbedürfnis von uns modernen Menschen angesprochen. Man sieht das nicht zuletzt auch daran, wie sehr auch bei uns die fernöstlichen Meditationsformen Anklang finden und Einzug gehalten haben.

 

Man kann nämlich auch ständig flüchten vor sich selber und den Herausforderungen des Lebens – in die permanente Zerstreuung, in die Vergangenheit oder in die Zukunft.

Die Atmosphäre, der Ablauf und der Raum des Gottesdienstes können dabei helfen, in die Gegenwart zu kommen und ganz da zu sein. Da sein heißt immer auch, sehen was ist.

Denn: das, was die Bibel wohl am sichersten über Gott sagt, ist, dass er da ist, gegenwärtig ist und Menschen nahe. Je mehr wir ganz da sein können, umso näher kommen wir dem Wesen Gottes.

Das ist wohl auch der tiefe Sinn des Gebetes, von Meditation oder auch der eucharistischen Anbetung, nämlich das Einüben ins Dasein. Eucharistie ist Einüben ins DASEIN.

 

2.) Die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich zu erinnern

 

ist die zweite wichtige menschliche und zugleich eucharistische Grundhaltung.

Es geht darum, dass wir uns als Menschen begreifen mit einer Geschichte. Sich erinnern heißt, dass ich mir bewusst werde, was mit mir ist und was mit mir geschieht. Dass ich über mein Leben nachdenke.

Das Schuldbekenntnis am Beginn jeder Eucharistiefeier hat die Funktion, dass wir uns unserer eigenen Geschichte bewusst werden. Wir erinnern uns an unser Leben und schaffen Raum für unser Leben.

Ziel des Schuldbekenntnisses am Beginn der Messe ist nicht, in uns ein möglichst schlechtes Gewissen zu erzeugen, sondern wir sollen uns erinnern an das, was gewesen ist, an das, was gut gewesen ist und geglückt ist ,aber auch an unser Scheitern, an unser Schuldig-Werden. Und dann auch besonders an die Erfahrungen von Versöhnung und Heilung.

Im Kyrie dürfen uns dann zusagen lassen, dass wir so, wie wir sind, von Gott angenommen und geliebt sind.

 

Wir Menschen sind geschichtliche Wesen und es macht ja auch wesentlich unser Menschsein aus, dass wir uns erinnern können.

Deshalb gehört zum Sich-Erinnern auch die Geschichte und die Geschichten. Die biblischen Geschichten, die wir bei jedem Gottesdienst hören, sollen uns helfen, uns zu erinnern, denn sie sind immer auch unsere Geschichten. Sie sind nichts anderes als Erinnerungen und Deutungen von Menschen damals, wie Gott in ihrem Leben und in der Geschichte ihres Volkes gewirkt hat

 

Der bekannte Theologe Johann Baptist Metz spricht einmal von der „gefährlichen Erinnerung“ und er meint damit: Indem wir uns immer wieder und immer neu an das Leben, Wirken und an die Botschaft Jesu erinnern, halten wir das wach, wofür Jesus steht.

Das ist sein Einsatz für Menschlichkeit und Gerechtigkeit, für ein befreiendes und heilsames Bild von Gott. Das ist sein Einstehen für die Armen, Leidenden, Schwachen und Ausgegrenzten. Das ist sein Bemühen um Versöhnung und Toleranz, sein unermüdlicher Versuch, die Grenzen zwischen den Menschen abzubauen.

Die Zuwendung und Liebe Jesu lässt die Menschen (damals und heute) erfahren, dass sie einen Wert haben, einen unendlichen Wert. Die Menschen, die mit Jesus in Kontakt kommen, in seine Nähe, die fühlen sich zu einem neuen Menschsein befreit.

Diese Erinnerung an Jesus, die zugleich Auftrag für uns heute ist, halten wir in der Feier der Eucharistie wach.

 

In der Eucharistie üben wir ein, unser Leben und die Geschichte als Heilsgeschichte zu sehen, und wir üben, dass wir in der Erinnerung an Jesus unser Leben nach seinem Geist ausrichten.

 

3.) Die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich mitzuteilen

 

Mit anderen teilen, heißt anderen Sinn geben und auch sich selber. Im Mitteilen entsteht Sinn. Im Mitteilen und aneinander-Anteil-nehmen können wir unserem Leben eine besondere Bedeutung und Richtung geben.

In den Gaben von Brot und Wein bringen wir Menschen auch uns selber dar, mit unseren Möglichkeiten und Grenzen, mit unserem guten Willen und mit unserer Sehnsucht. Das, was ich mitbringe und bereit bin zu geben, wird von Gott verwandelt. Und wir empfangen es wieder auf eine neue und andere Weise (Gabenbereitung und Kommunion).

Eucharistie ist Einüben ins TEILEN und MITTEILEN.

 

4.) Die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich zu wandeln

 

Eine der schwierigsten Haltungen, die aber eine starke Persönlichkeit ausmachen, ist die Bereitschaft und die Fähigkeit, das Geschenk einer Wandlung, einer existenziellen Veränderung zuzulassen. Wer bereit ist, die Wandlung des eigenen Lebens zuzulassen – allmählich, ein Leben lang -, der wird ermutigt auch seine Umgebung zu „verwandeln“, sie – wo es nötig ist – menschlicher, weiter, gerechter zu machen.

 

Wenn wir Christen miteinander Eucharistie feiern, lassen wir uns in dieses Geschehen der Wandlung mit hineinnehmen. Diese Wandlung ermöglicht ein eigenes, authentisches Leben, das nicht still steht und erstarrt ist, sondern offen für Neues, für Entwicklung und Entfaltung. Wandlung mutet uns zu, mehr Mensch zu werden – selbst und für andere.

Sich verändern, sich wandeln heißt aber immer, dass ich mich auch wieder von etwas ver-abschieden können muss, ja vielleicht sogar, dass etwas absterben muss, damit wieder etwas Neues werden kann. Im gemeinsamen Teilen von Brot und Wein erkennen die Jünger den auferstandenen Herrn. Die Chance der Wandlung liegt darin, dass ich das Geheimnis des Todes verstehen und akzeptieren kann.

Eucharistie ist Einüben in die Haltung, WANDLUNGEN im Leben zuzulassen.

 

5.) Die Bereitschaft und die Fähigkeit zu danken

 

Wenn wir erkennen, dass wir so vieles im Leben nicht selber tun und machen können, ja dass wir die eigentlich entscheidenden Dinge des Lebens von anderen geschenkt bekommen, dann führt uns das zum Danken. Das lässt uns erkennen, dass es etwas gibt, was über uns hinausweist. Das Wort „Eucharistie“ heißt ja nichts anderes als „Danksagung“.

Unsere Aufmerksamkeit auf die Haltung der Dankbarkeit zu richten, ist eine Form achtsamer spiritueller Praxis, die den Vorzug hat, dass sie sehr schnell Resultate zeigt. Wenn wir uns am Morgen vornehmen, dankbar zu sein für alles, was uns an diesem Tag begegnet, werden wir am Abend vielleicht bereits spürbar glücklicher sein.

Dankbarkeit heißt, den gegebenen Augenblick und jede gegebene Gelegenheit, einfach alles, was uns begegnet, als Gabe, als Geschenk wahrzunehmen. Wir neigen oft ja eher dazu, Probleme und Defizite zu sehen. Wenn wir alles, was uns begegnet, als Geschenk erkennen und nicht einfach als selbstverständlich hinnehmen, wachen wir auf zu einer neuen Lebendigkeit. Das gibt uns viele Gelegenheiten, uns zu freuen! Und es schenkt uns auch unzählige Gelegenheiten, den Sinn in Situationen entdecken zu lernen, die uns zuerst einmal gar nicht als Geschenke erscheinen.

Eucharistie ist Einüben in die Haltung der DANKBARKEIT.

 

6.) Die Bereitschaft und Fähigkeit, immer mehr und mehr Gutes zu sagen

 

Das bedeutet nicht einfach schön daherreden, sondern wirklich Gutes zu sagen im Sinne des lateinischen bene-dicere, d.h. segnen, ein gutes Wort sagen. Am Ende jeder Messe empfangen wir den Segen, das gute Wort Gottes über unser Leben

Der Hl. Benedikt sagt einmal: „Ein gutes Wort ist besser als die beste Gabe.“

Gutes sagen und segnen heißt nicht, dass wir das leugnen, was dunkel ist in unserem Leben, sondern es bedeutet die Fähigkeit zu besitzen, auch über die Dunkelheit - über Leid, Schuld und Scheitern - das gute Wort zu sprechen. Das ist die Grundlage dafür, Gutes zu tun.

Eucharistie ist: sich darin einüben, GUTES zu SAGEN – sich selber und seinen Mitmenschen.

 

 

Diese sechs Grundhaltungen, die ich jetzt beschrieben habe, können wir dann in der Feier der Eucharistie entdecken und erfahren, wenn wir sie auch in unserem alltäglichen Leben immer wieder üben und wenn sie dort wirksam sind. Der Orientierungspunkt, an dem wir Christen uns in unseren Grundhaltungen ausrichten können, ist das Leben und die Botschaft Jesu.

 

Wolfgang Bögl, Theologischer Assistent der KMB Linz

 

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