Samstag 26. Mai 2018

Inhalt:

Der Aufstand gegen den Tod mitten im Leben

Die vier Evangelisten berichten alle etwas anders und auch mit unterschiedlichen Akzentuierungen vom Geschehen am Ostermorgen. Alle vier Evangelien stimmen aber darin überein, dass Frauen die ersten waren, die zum Grab Jesu gegangen sind. Und sie stimmen darin überein, dass eine von ihnen Maria von Magdala gewesen ist.

 

Der Aufbruch der Frauen beginnt noch in der Nacht. Frühmorgens, am ersten Tag der Woche, als eben die Sonne aufgeht, kommen sie ans Grab. Viele Geschichten der Bibel spielen in der Nacht, die Nacht hat in der Bibel immer wieder eine besondere Bedeutung.

 

Rettung, Erlösung geschieht in der Nacht.

 

Man kann das auch als Sinnbild sehen dafür, dass es in diesen biblischen Geschichten immer auch um Erfahrungen von Nacht und Dunkel  im menschlichen Leben geht: Krankheit, Verlust, Ängste, Schmerzen, Trennung, Einsamkeit. Denn in den biblischen Nachtgeschichten werden die Leidensgeschichten der Menschen überhaupt erzählt.

Und doch klingt immer auch schon in den Nachtgeschichten an, dass es keine Nacht gibt, die nicht irgendwann in einen Morgen mündet. So spielt sich das Geschehen bei Tagesanbruch ab.

 

Eine tiefe Nachterfahrung haben sicherlich auch die Jünger und Jüngerinnen Jesu gemacht: nach dem Tod Jesu, ihres Herrn und Meisters, waren alle Hoffnungen begraben, es hat ihnen den Boden unter den Füßen weggerissen, sie haben sich verkrochen und eingesperrt, waren wie gelähmt vor Trauer und Enttäuschung.

 

Der Stein ist weggewälzt, das Grab ist leer.

 

Maria Magdalena und die beiden anderen Frauen sind die ersten, die sich wieder aus dieser Erstarrung lösen und wieder in Bewegung kommen, die sich auf den Weg zum Grab machen. Die Frauen werden mit dem Unglaublichen konfrontiert. Der, den sie gesucht haben, ist nicht mehr hier.

Sie sind ganz außer sich, sie verstehen nicht, was sich da zugetragen hat. Als sie dann noch die helle Gestalt, den Engel, im Grab sitzen sehen, werden sie gänzlich von Angst und Schrecken befallen. Es wird hier deutlich, wie viel Angst das auslösen kann, wenn das, was totsicher zu sein scheint, plötzlich nicht mehr sicher ist.

 

Auffallend ist auch, dass keiner der vier Evangelisten versucht, die Auferstehung auch nur andeutungsweise zu beschreiben. Es sind nur äußere Zeichen, die das Geschehen verdeutlichen: der weggewälzte Stein, das leere Grab, das Licht, der Engel. Aber weder das leere Grab noch der Engel scheinen hier bei den Frauen eine Hoffnung zu wecken.

 

Der Auferstandene wird nicht gleich erkannt.

 

Wir können in fast allen Osterberichten feststellen, dass der Auferstandene nicht gleich erkannt wird. Doch immer wird in diesen österlichen Begegnungen bei den Betroffenen in ihrem Innersten etwas angerührt, da wird eine unbestimmte Sehnsucht wach. Oder die Auferstehung wird überhaupt erst in der nachträglichen Betrachtung oder Deutung des Erlebten spürbar und begreifbar. Ostern findet nicht für alle zur gleichen Zeit statt. Es ist nicht einfach ein Zeitpunkt, sondern es ist ein Übergang im Leben der Menschen.

 

Eines machen uns die Osterberichte der Bibel deutlich: wirklich glauben kann man die Auferstehung wohl erst in der Begegnung mit dem Auferstandenen. So hat Auferstehung auch wohl weniger mit Wissen oder Erkenntnis zu tun, als vielmehr mit konkreter Begegnung, mit Zuwendung und Berührung.

 

Der Aufstand gegen den Tod mitten im Leben

 

Jesus hat Zeit seines Lebens an das Leben geglaubt, weil er an einen lebendigen Gott glaubt. Es ist auch beachtenswert, dass der Tod - und was danach kommt - in der Verkündigung Jesu keine große Rolle spielt. Vielmehr ist es Jesus immer um den Aufstand gegen den Tod mitten im Leben gegangen, um die Auferstehungen mitten im Leben. Der Auferstehungsglaube zielt auch und gerade auf das Leben VOR dem Tod.

 

So ist unsere christliche Hoffnung auf Auferstehung nicht nur eine individualistische, die jeder für sich und seinen ganz privaten Glauben hat. Nein, sie ist eine Hoffnung, die uns Christen zusammenführt und zusammenhält. Und sie beinhaltet einen ganz besonderen Blick auf die Menschen, die in ihrem Leben leiden müssen, in irgendeiner Weise gescheitert, ausgeschlossen oder klein gemacht worden sind.

 

So geht es beim Osterfest also auch um die „kleinen Auferstehungen“ mitten im Leben. Es geht auch um den Aufstand gegen den Tod mitten im Leben: gegen alles, was Menschen krank, klein und unwürdig macht, gegen alles, was zu ihrem frühen Tod mitten im Leben führt.

 

Solche Erfahrungen von Auferstehung in unserm Alltag haben oft eines gemeinsam: sie sind kaum zu glauben, sie gehören zu den Überraschungen - oft dort, wo man gar nicht damit gerechnet hat. Ja, es kann auch Angst erzeugen, weil es da immer zu großen Veränderungen kommt.

Wenn plötzlich festgefahrene Verhältnisse neu belebt werden, wenn ungerechte Ordnungen aufgehoben werden, wenn Menschen wieder aus ihrem Grab herauskommen, wenn ihr Stein ins Rollen kommt. Und das alles, weil ihnen andere Menschen - "Engel" - die Angst nehmen, Hoffnung geben und den Weg weisen, auf dem sie wieder mit dem Leben in Berührung kommen.

 

Die Osterbotschaft ist eine Botschaft gegen die Angst und für das Leben!

 

Die Botschaft der Engel in der Bibel beginnt fast immer mit dem "Fürchte dich nicht!". Damit beginnt jede Lebensbotschaft. Denn alles, was Menschen klein macht, hat eine gegenteilige Nachricht. Die "Todesmächte" haben nämlich ein Interesse daran, dass der Mensch sich fürchtet und Angst hat. Das können wir in der Geschichte der Menschheit sehen.

 

Auferstehung bedeutet wesentlich auch: auferweckt werden. Das ist ein Passivwort, da geschieht etwas an mir oder besser: da muss, kann, darf ich etwas an mir geschehen lassen.

 

Davon spricht Ostern: dass eine Art von Leben aufbricht, die keiner für möglich gehalten hat. Ostern ereignet sich im Verborgenen, ohne Zuschauer. Es geschieht in der Stille und Tiefe der Erde - wie auch in der Stille und Tiefe in uns. "Ostern feiern heißt: der Liebe trauen, die den Tod überwindet." - so sagt es Anselm Grün einmal.

 

Und damit dieser Osterglaube wachsen kann, braucht es immer wieder „Frühaufsteher“ wie Maria Magdalena und die anderen Frauen, die wegen des Todes Jesu nicht mehr schlafen können und sich deshalb in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche auf den Weg machen.

 

Seien wir solche Osterzeugen!

 

 

Impulsfragen:

  • Wo hindert mich meine Angst, um not-wendige Wege in meinem Leben zu gehen?
  • Wo kann ich „gegen den Tod im Leben“ aufstehen? (persönlich, gesellschaftlich)
  • Wie sehr kann/will ich mich verwandeln lassen vom Osterglauben? Wie sehr kann ich dieser Hoffnung, Zuversicht des Auferstehungsglaubens in mir Raum geben?

 

Wolfgang Bögl, Ostern 2017

 

 

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